Vom 5. bis 9. Mai war ich zu politischen Konsultationen bei der neunten Sitzung des Pan-Afrikanischen Parlaments in Midrand, Südafrika. Das PAP ist derzeit noch in temporären Gebäuden untergebracht, die in weniger als 12 Monaten errichtet wurden, um dem kontinentalen Gremium einen Sitz zu geben. Bei einem luncheon heute Mittag wurden die beeindruckenden Pläne für den Bau des permanenten Sitzes vorgestellt. Bis 2010 wird ein hochmodernes Gebäude mit einem großen Plenarsaal entstehen, das dem Europäischen Parlament in Straßburg in nichts nachstehen wird - im Gegenteil. Davon abgesehen ist es bedauerlich, dass in Deutschland von den erstaunlichen Fortschritten in der institutionellen Entwicklung der Afrikanischen Union kaum Kenntnis genommen wird. Und dazu gehört auch das Pan-Afrikanische Parlament. Das PAP nämlich strebt an, in wenigen Jahren Legislativfunktionen innerhalb der AU zu übernehmen - etwas, wofür das Europäische Parlament über 30 Jahre gebraucht hat und selbst heute ist es immer noch nicht das vollgültige EU-Gesetzgebungsorgan, dass es eigentlich sein sollte.
Die Judo-Kämpferin Yvonne Bönisch und die Fechterin Imke Duplitzer haben angekündigt, die Eröffnungsfeierlichkeiten der olympischen Spiele in Peking zu boykottieren. Sie gehören zu den ersten, die sich öffentlich zu diesem Schritt entschlossen haben. Bravo!
Wie einst die Maschinenstürmer im 19. Jahrhundert stemmt sich die Rechteindustrie gegen die technologische Revolution der Digitalisierung von Inhalten jeder Art. Vor allem zum Beispiel der Musik und des bewegten Bildes. Es ist schon eine unglaubliche Zumutung, dass sich etwa der Kinobesucher oder DVD-Käufer - also der Kunde - im Vorspann vieler Filme quasi als potentieller Rechtsbrecher behandeln lassen muss,
indem er penetrant darauf hingewiesen wird, nichts mitfilmen oder kopieren zu dürfen. Welche Industrie kann es sich dauerhaft leisten, ihre eigenen Kunden wie potentielle Verbrecher zu behandeln? Die unverschämte Kampagne "Hart aber gerecht" läßt grüßen.
Parodie auf die unverschämten Clips der Filmindustrie bei YouTube
Und erst langsam kommen führende Labels dahinter, dass sich die Entwicklung auch durch die Gängelung ihrer ehrlichen Kunden mit benutzerfeindlichen Kopierschutzmaßnahmen und "Digital Rights Management" nicht wirklich verhindern lässt. Durch Tauschbörsen und kopierte Inhalte entgehen der Industrie nach eigenen Angaben Abermilliarden an Einnahmen, vom Schaden ganz zu schweigen. Mal davon abgesehen, dass diese Zahlen meiner Meinung nach nicht haltbar sind - nicht jedes kopierte Stück wäre überhaupt gekauft worden -, hat doch die Industrie auch darin versagt, die neuen Möglichkeiten selbst progressiv zu nutzen und den digitalen Online-Markt sinnvoll zu erschließen. Um so mehr nervt aktuell die Kritik der deutschen Musikindustrie an der Urheberrechtsnovelle. Am liebsten hätten die Lobbyisten einen unbeschränkten Auskunftsanspruch gegen die Provider, um ihre Abmahn- und Klagemaschine auch gegen Kleinstdelinquenten richtig anwerfen zu können. Dem hat der Gesetzgeber einen Riegel vorgeschoben. Auch die Deckelung der Abmahngebühr ist eine wunderbare Maßnahme des Gesetzgebers, um dem Mißbrauch Einhalt zu gebieten. Allerdings ist der ganze Ansatz der Novelle und das Anliegen der Musikindustrie an sich im rechtlichen Abseits. Nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts zur Vorratsdatenspeicherung dürfen die so gesammelten Daten nur für schwere Straftaten verwendet werden. Dies wird ja wohl auch im zivilrechtlichen Verhältnis zwischen Providern und Rechteindustrie gelten müssen.
„Ein Regime, das sich stützt auf Zwangsarbeit und Massenversklavung; ein Regime, das den Krieg vorbereitet und nur durch verlogene Propaganda existiert, wie soll ein solches Regime den friedlichen Sport und freiheitlichen Sportler respektieren? Glauben Sie mir, diejenigen der internationalen Sportler, die nach Berlin gehen, werden dort nichts anderes sein als Gladiatoren, Gefangene und Spaßmacher eines Diktators, der sich bereits als Herr dieser Welt fühlt.“
Heinrich Mann bei der Konferenz zur Verteidigung der Olympischen Idee am 6. und 7. Juni 1936 in Paris
In den vergangenen Tagen wurden bei der Niederschlagung der größten Demonstrationen der letzten zwanzig Jahre im tibetischen Lhasa über 100 Menschen getötet, der Dalai Lama wirft China Völkermord vor. Die chinesische Regierung hat den "Volkskrieg gegen den Separatismus" ausgerufen. Das demokratische Taiwan wird von China mit einer kriegerischen Invasion bedroht. Das
Internationale Olympische Komitee darf die schweren Menschenrechtsverletzungen im Land nicht länger ignorieren. Über ein Boykott der olympischen Spiele in Peking muss diskutiert werden. Die Gesellschaft für bedrohte Völker hat eine China-Kampagne gestartet, um auf die schlimme Situation der Minderheiten und die Menschenrechtsverletzungen hinzuweisen.
Nach jüngsten Berechnungen von Linda Bilmes und Joseph Stiglitz kostet der Irak-Krieg die USA 400 Millionen US-Dollar - am Tag. Bis 2017 wird der Krieg schätzungsweise über 3 Billionen US-Dollar kosten, also dreitausend Milliarden. Diese Ausgaben sind eine dramatische Belastung für die US-Regierung und auch für die US-Wirtschaft. Und es ist kein gut angelegtes Geld. Mit dieser Summe hätte ohne weiteres ein Global Marshall Plan finanziert werden können und die Welt wäre den Millennium-Zielen der UN um einiges näher gerückt: Verringerung der extremen Armut, Bildung und medizinische Grundversorgung in der Welt, um nur einige zu nennen.
Wie grotesk planlos, dilletantisch, leichtfertig, ignorant, lügnerisch und arrogant die Spitze der Bush-Regierung den Irak-Krieg überhaupt angeschoben und durchgeführt hat, über Bedenken, Einwände und Ratschäge unterer Ränge hinweg, ist mir erst jetzt in vollem Ausmaß klargeworden, nachdem ich das Buch "Fiasco" (2006) von Thomas Ricks gelesen habe. Anfangs war ich überzeugt, dass es nach Saddam Hussein nur besser werden kann. Eine stabile Nachkriegsordnung ist im Irak aber nicht gelungen. Ja, die US-Regierung hat sich, man kann es kaum glauben, im Prinzip keine Gedanken über die Zeit nach der Blitzinvasion gemacht, wie Ricks minutiös nachvollzieht. Die Lage ist bis heute desaströs, vom kurdischen Nordirak abgesehen, und die Zukunft des Landes ist ungewiss. Es befindet sich praktisch in einem Bürgerkrieg. Der jedoch hätte vermieden werden können.
Keine Verlängerung der Verwertungsrechte auf 95 Jahre!
Auf Druck der großen Plattenfirmen will die EU-Kommission die Urheberrechtslaufzeiten für musikalische Werke von 50 auf 95 Jahre verlängern (Bericht bei heise.de). Hinter dieser Initiative stehen allein industrielle Interessen. Den Künstlern und der Allgemeinheit ist damit nicht gedient. Die Kampagne "Sound Copyright" sammelt jetzt
Unterschriften für eine Petition, mit der Brüssel aufgefordert wird, alle Interessenvertreter einschließlich der Verbrauchergruppen in die Debatte einzubeziehen. Wieso soll nur die Musiklobby den Ton angeben? Meine Unterschrift hat die Petition soeben bekommen.
Die jüngste Blüte im Verschwörungsgarten ist so schön, dass ich ihre Entdeckung gerne teilen möchte. Ich sichte ja regelmäßig die Nachrichten zum Thema Vereinte Nationen und da ist mir nun dies untergekommen: Nach einem Bericht des einschlägigen UFODigest hat
am 12. Februar am UN-Hauptsitz in New York ein "geheimes Treffen" von Vertretern einiger UN-Mitgliedsländer stattgefunden, um erste Beratungen über eine koordinierte Politik zum UFO-Phänomen vorzubereiten.
Es ging dabei angeblich darum, sich Gedanken über die öffentliche Reaktion zu machen, wenn die Existenz von außerirdischen Kontakten offiziell bekanntgemacht wird, was "innerhalb der nächsten 8-9 Jahre" geplant sei - so behauptet jedenfalls ein Kommentator, der die Kontaktleute des Informanten zu kennen vorgibt. Das impliziert natürlich, dass solche Kontakte zu Außerirdischen überhaupt bestehen. Mit diesem Inhalt hat das Treffen bei der UN wohl kaum stattgefunden. Realistischer scheint da schon eher der Bericht eines angeblichen Teilnehmers aus Frankreich. Demnach sei es unter anderem um die möglichen Auswirkungen von UFO-Hysterien gegangen.
Es wäre nicht das erste Mal, dass sich die UN mit dem Thema befasst. 1978 hat die Generalversammlung sogar empfohlen, eine UN-Behörde zur Erforschung des Phänomens einzurichten.
Wie dem auch sei, offenbar beschäftigt das Thema aktuell zumindest die japanische Regierung. "Nichts rechtfertigt es zu bestreiten, dass UFOs existieren und von einer anderen Lebensform kontrolliert werden", gab immerhin der japanische Verteidigungsminister Shigeru Ishiba im Dezember zum besten. Er möchte deshalb dringlich prüfen, "wie sich die japanische Armee bei einem möglichen Angriff von Aliens verhalten könne", berichtete der Spiegel. Der deutsche Astronaut Hans Schlegel ist "felsenfest" davon überzeugt, dass es außerirdisches Leben gibt, wie er bei einem Interview Anfang Februar sagte. Dieser Auffassung würde ich mich voll anschließen. Allein schon angesichts der enormen Größe des Universums halte ich die Ansicht, dass nur bei uns auf der Erde Leben entstanden ist, geradezu für absurd. Ob es allerdings "Kontakte" zu intelligentem außerirdischen Leben gibt, das steht auf einem ganz anderen Blatt.
Nachtrag vom 09.03.2008
Inzwischen betrachtet das französische UFO-Forschungsinstitut FEA den Bericht ihres Mitglieds über die Teilnahme an dem UN-Treffen und den entsprechenden Bericht als "fiktiv" und behält sich juristische Schritte gegen ihn vor. Es wäre ja auch zu schön gewesen! Aber zum Glück für alle Verschwörungstheoretiker gibt es ja noch andere "unabhängige Quellen".
Grundrecht auf Gewährleistung der Vertraulichkeit und Integrität informationstechnischer Systeme
Wie in allen Medien breit berichtet wird, hat der Erste Senat des Bundesverfassungsgerichts gestern in dem Verfahren "Online-Durchsuchung" sein Urteil verkündet. Es ging um die nordrhein-westfälische Gesetzesregelung dazu. Einer der Beschwerdeführer, der frühere Bundesinnenminister Gerhart Baum von der FDP, interpretierte das Urteil nach Spiegel-Online als "Meilenstein". Das Urteil wird Schäuble daran hindern, seine unausgewogenen und bedenklichen Pläne für Online-Durchsuchungskompetenzen
in der Novelle des BKA-Gesetzes umzusetzen. Dieser Irrfahrt ist jetzt ein Riegel vorgeschoben. Bei weiteren Amokgesetzen des Bundes wird das Verfassungsgericht hoffentlich den vorgelegten Verfassungsbeschwerden umfänglich stattgeben: Bei der Vorratsdatenspeicherung und bei biometrischen Merkmalen im Personalausweis. Feingefühl für die Verfassung hätte man der FDP in NRW wünschen sollen, die an der Verabschiedung der nun kassierten Regelungen beteiligt war. Da hilft es auch nicht, dass FDP-Landeschef Pinkwart das Urteil als "wegweisend für den Schutz der Privatsphäre" begrüsst. Gerade als FDP-Mitglied muss ich sagen: Das ist grotesk! Das Gesetz hätte so erst garnicht verabschiedet werden dürfen und schon garnicht mit Beteiligung der FDP.
Dreizehn Jahre lang, von 1985 bis 1998, war Xiao Rundcrantz als Staatsanwältin tätig, zunächst vier Jahre im Bezirk Wangcheng, dann ab 1989 im Bezirk Changsa West. Im November 1998 setzte sie sich, desillusioniert und von einem schlechten Gewissen geplagt, nach Schweden ab. Inzwischen ist ihre Geschichte auch auf deutsch erschienen. In dem Buch "Rote Staatsanwältin" (2007), das ich gerade gelesen habe, beschreibt sie auf schlichte und schnörkellose Weise ihre Tätigkeit in der chinesischen Justiz. Rundcrantz erzählt direkt und unmittelbar den Verlauf ihrer Karriere und gewährt einen wohl seltenen Einblick in das Innere des maroden chinesischen Justizapparats, dessen Teil sie war. Sie erzählt von Einzelschicksalen, die sie und ihre Kollegen in der Hand hatten - als Vertreter eines brutalen und willkürlichen Rechtsunwesens, in dem Seilschaften und Bestechung regieren und keinerlei ordentlicher Rechtsschutz existiert. Die Polizei kann einen Verdächtigen per Verwaltungsakt ohne weiteres zu einem ein- bis dreijährigen Aufenthalt im Arbeitslager verurteilen. Kommt es tatsächlich zu einem Gerichtsverfahren, steht die Schuld für die Behörden praktisch von vornherein fest. Der Richter befindet noch über das Strafmaß. "Das Recht dient den Machthabern, also der führenden Klasse", zitiert sie den Vorsitzenden eines Sonderkomitees, das mit dem Selbstmord einer verzweifelten Studentin befasst war. Nach Ansicht von Rundcrantz hat sich das "Rechtssystem" Chinas in den letzten zehn Jahren "leider zum Schlechteren" verändert.
Ein Buch, dass die chinesische Diktatur einmal mehr deutlich vor Augen führt.
Seit letzter Woche ist ein neues Buch von Dirk C. Fleck im Handel: "Das Tahiti-Projekt". 1993 hatte Fleck den Science-Fiction-Roman "GO: Die Ökodiktatur" veröffentlicht. Um das Überleben der Menschheit zu sichern, so dessen Botschaft, bleibe letztlich nur totalitärer Zwang im globalen Maßstab als echte Lösung. Das Tahiti-Projekt stellt nun das Gegenteil dar. Im kleinen Rahmen kommen die Menschen zur Vernunft, jedenfalls auf Tahiti. Die im Jahr 2022 angesiedelte Geschichte dreht sich um den Versuch der Inselrepublik, nachhaltige Reformen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft umzusetzen. Die Menschen sollen im Einklang mit der Natur leben, ohne dieser zu schaden, aber auch ohne in die Steinzeit zurückzufallen. Dass der junge Präsident Omai dafür auf zehn Jahre mit "allen Vollmachten" ausgestattet wurde, soll dabei nur als Schönheitsfleck durchgehen. Viele Einzelheiten der positiven Utopie sind nicht in der Erzählung selbst, sondern im Glossar untergebracht. So zum Beispiel Informationen zum Grundeinkommen oder zur Bodenreform. Leider ist dadurch vieles nicht sehr anschaulich. Trotzdem ist es ein lesenswertes und spannendes Buch. Zum Ende hin eskaliert ein Konflikt mit einem globalen Minenkonzern, der mit Deckung einer intriganten Gruppe innerhalb der US-Regierung im Pazifik schürfen möchte. Ein ausführlicher Bericht zum Buch erschien bereits im Hamburger Abendblatt. Etwas besonderes ist das Buch vor allem auch deshalb, weil es nicht einfach nur ein Buch ist. Im Hintergrund steht die Organisation "Equilibrismus", die das beschriebene Pilotprojekt tatsächlich angehen möchte. Seit über 10 Jahren arbeitet ihr Vorsitzender Eric Bihl an der Sache und mit dem Roman ist ein wichtiger Schritt geschafft. Gratulation! Wir dürfen auf die Reaktion in Tahiti gespannt sein, sobald die Übersetzung fertig ist.
Die Idee der olympischen Spiele ist neben dem sportlichen Wettkampf die menschliche Begegnung, Völkerverständigung und die Förderung des friedlichen Zusammenlebens in der Welt. In diesem Jahr findet Olympia in China statt. Sicher, der Gedanke dahinter ist unter anderem auch, dass dieses Weltereignis zur Öffnung des Landes beiträgt, womöglich ein kleiner Baustein zur Entwicklung der Demokratie sein könnte. Ein wichtiges Element ist die Pressefreiheit. Anläßlich der Olympiade in China und der Zensur im Land hat "Reporter ohne Grenzen" eine Petition an das olympische Komitee gerichtet. Dieser habe ich mich heute angeschlossen.
Die nächste Ausgabe der Zeitschrift "pogrom - bedrohte Völker" (1/08) berichtet im Schwerpunkt höchst informativ über die Menschenrechtslage im Land. Sie wird von der Gesellschaft für bedrohte Völker herausgegeben und kann dort auch bestellt werden.Vor einer Woche bin ich übrigens in den Vorstand der Gesellschaft für bedrohte Völker kooptiert worden.
Unter meiner Lektüre in der letzten Zeit waren auch drei Romane, die ich empfehlen möchte. Der erste davon ist das 2006 erschienene Buch "The Emperor's Children" von Claire Messud (nein, ich nehme nicht am Amazon-Partnerprogramm teil!). Im Mittelpunkt der im New York des Jahres 2001 angesiedelten Geschichte finden sich drei junge Erwachsene um die dreißig, die nicht so recht wissen, was sie mit sich und ihrer Zukunft anfangen sollen - trotz oder vielleicht wegen ihrer hoch gesteckten Ambitionen. Mit im Spiel ist vor allem Murray Thwaite, Vater einer der Hauptfiguren und berühmter Journalist. Der Roman dreht sich um allerlei emotionale Verwicklungen, um Heuchelei, die Kunst der Selbstinszenierung und der Selbstfindung. Es ist witzig und schön geschrieben.
Kein Roman sind eigentlich die Memoiren von J.R. Moehringer mit dem Titel "The Tender Bar", die 2005 veröffentlicht wurden. Der 1964 geborene Moehringer beschreibt darin seine schwierige Kindheit und sein Erwachsenwerden. Geprägt und geplagt wurde er unter anderem durch die Abwesenheit seines psychotischen Vaters, von der Sorge um das materielle Wohlergehen seiner Mutter und von den asozialen Verhältnissen bei den Großeltern in Manhasset unweit von New York, bei denen er immer wieder lange Zeit wohnte. Seine männlichen Rollenvorbilder fanden sich so vor allem in einer Bar in dem kleinen Ort. Es ist faszinierend, mit welch außergewöhnlicher Beobachtungsgabe er schon als Kind die charakterlichen Tiefen und Eigenheiten der Menschen um sich herum ergründet. Mit erzählerischer Rafinesse beschreibt er, wie er sich selbst und seine Umwelt rezipiert und seine Geschichte ist voller witziger Anekdoten. Letztlich wurde er Journalist – er konnte in Yale studieren - und wurde 2000 mit dem Pulitzer-Preis für Fachjournalismus ausgezeichnet. Seine Memoiren sind wirklich lesenswert.
Eine ganz andere Lektüre ist der 2006 bei HarperCollins veröffentlichte Bestseller "Next" von Michael Crichton. Von Crichton hatte ich schon seine letzten Bücher "Prey" (2002) und "State of Fear" (2004) gelesen. Begeistert war ich von beiden nicht, aber ich dachte "Next" könnte zumindest leichte Lektüre für das Warten beim Check-In, im Flugzeug und bei anderen Leerläufen sein. Dafür ist es wirklich gut geeignet. In dem Buch verweben sich nach und nach verschiedene Handlungsstränge, die sich alle um Akteuere im Bereich der Biotechnologie, genauer gesagt: der Gentechnologie, drehen. Es geht unter anderem um Intrigen zur Kontrolle einer Biotech-Firma, um Genpatente, scheiternde Genpräparate und die Jagd nach Zellproben. Auch wenn das Ganze auf einen allzu konstruierten Höhepunkt zusteuert, ist es durchaus spannend geschrieben und vor allem fand ich Crichtons Buch dieses Mal stellenweise auch sehr witzig! Und die von ihm beschriebenen Vorgänge schienen mir nicht besonders weit hergeholt zu sein, ganz im Gegenteil.
Um die katastrophale Lage in Darfur zu stabilisieren und schwerste Menschenrechtsverletzungen zu unterbinden, haben die Vereinte Nationen zu Beginn dieses Jahres Mitverantwortung für die internationale Friedenstruppe in der sudanesischen Provinz übernommen. Der damalige UN-Generalsekretär hat die Lage in der Region schon vor über einem Jahr als "Hölle auf Erden" bezeichnet, der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe, John Holmes, bezeichnet sie, so zitiert das Handelsblatt, als einen "der weltweit größten Notfälle". Aber UNAMID wird von der internationalen Gemeinschaft im Stich gelassen. Seit Monaten versucht die UNO, 24 Hubschrauber zu organisieren, damit UNAMID in der Region - so groß wie Frankreich - überhaupt mobil agieren kann. Bislang wurden erst drei zur Verfügung gestellt.Eine groteske Heuchelei, die für das UN-Peacekeeping leider typisch ist. Links liegen bleiben Millionen von Menschen, die von Gewalt, Hunger und Flucht betroffen sind. Ein empfehlenswertes Buch zu den Hintergründen des Konflikts, das ich gerade lese, ist "Darfur. A Short History of a Long War".
Keine Einsicht: Skandalöses Seminar nur aus PR-Zwecken abgesagt
Bis gestern hatte der "christliche Jugendkongress Christival", der Ende April in Bremen stattfindet, ein Seminar im Programm, in dem es "um Ursachen und konstruktive Wege heraus aus homosexuellen Empfindungen" gehen sollte. Seit 1973 schon ist von psychiatrischen Fachverbänden klar anerkannt, dass Homosexualität keine geistige Störung darstellt und die deshalb jede Form von Therapie ablehnen, die darauf abzielt, die homosexuelle Orientierung eines Menschen zu ändern. Diese Position wurde unter anderem in einem Papier der American Psychiatric Association von 2000 mit Nachdruck bekräftigt. Wegen der völlig zutreffenden heftigen Kritik von den Grünen hat der Kongress jetzt das Seminar abgesagt. Richtig so, aber der Skandal bleibt bestehen. Abgesagt wurde nämlich nicht aus der Einsicht heraus, dass dieses Seminar schon vom Ansatz her wissenschaftlich verfehlt und kirchlich-fundamentalistisch verbrämt ist, sondern, so zitiert das Magazin "pro", damit "das Christival [nicht] mit Kritik überhäuft wird, bevor es überhaupt startet". Die Kritik an dem Seminar sei nämlich "unberechtigt". Auch wenn das Seminar abgesagt wurde, muss Familienministerin von der Leyen meiner Meinung nach aus diesem Grund ihre Schirmherrschaft über den Kongress niederlegen! Meine Post ist bereits unterwegs.
Nachtrag vom 07.02.2008
Schon einen Tag später ließ die Ministerin unter anderem ausrichten, dass sie als Schirmherrin selbstverständlich davon ausgehe, "dass das Christival vom Geist des Respekts und der Toleranz gegenüber menschlicher Vielfalt geprägt ist. Aus meiner Sicht hat der Veranstalter des Christivals diesem Anliegen Rechnung getragen, indem er das genannte Seminar im Einvernehmen mit dem Seminarveranstalter aus dem Programm des Christival genommen hat." Aber mit welcher Begründung, Frau Ministerin? Das ist doch die Frage!
An ein paar freien Tagen habe ich im Juli und September 2006 zur Entspannung zwei neue Varianten des überaus beliebten Brettspiels "Zug um Zug" aus dem Verlag "Days of Wonder" entwickelt: Für Nordafrika und China. Der Verlag hatte nichts dagegen, dass ich die Varianten im Internet bereitstelle. Inzwischen wurden sie über 4.000 mal heruntergeladen. Mit dieser Beliebtheit kann auf meiner Website momentan nur noch ein Artikel aus dem Jahr 2000 mithalten, in dem ich mich mit Verschwörungstheorien befasst hatte. Leider bin ich immer noch nicht dazu gekommen, eine lang geplante Anknüpfung an diesen Text fertig zu stellen, in der ich mich mit der Bilderberg-Konferenz und anderen kontemporären Gegenständen befasse. Bloß meine Recherchen zu den Plänen von Cecil Rhodes haben es in Kurzversion schon geschafft, das ist allerdings auch schon vier Jahre her. Tief gefallen ist übrigens der ehemalige Bilderberg-Jetsetter und Medienmogul Conrad Black. Vor etwa zwei Wochen wurde er jetzt zu sechseinhalb Jahren Haft verurteilt.
Eines meiner Lieblingsprojekte, das über 10 Jahre zurückreicht, ist im Laufe der letzten Monate nach ettlichen Testspielen ausgereift: Das Strategiespiel "Categis". Bei dem Brettspiel geht es darum, in den Bereichen Siedler, Staat, Warenhandel und Religion möglichst viele Punkte zu erreichen und so Führungsmacht zu werden. Dazu werden mit Siedlern möglichst viele Städte, Schlösser oder Tempel errichtet und mit Karawanen im Warenhandel möglichst große Gewinne erzielt. Wer während des Spiels einen bestimmten Punktevorsprung erreicht oder am Ende die größte Punktzahl hat, gewinnt. Das Spiel ist nicht ganz einfach und dauert zwischen zwei und drei Stunden, bei zwei bis fünf Spielern. Bis auf weiteres wird es wohl das Privatvergnügen von mir, meinen Freunden und meiner Familie bleiben: Noch ist kein Verlag für eine Veröffentlichung gefunden.
Heute wurde Arthur C. Clarke, der Autor des von Stanley Kubrick verfilmten Romans "2001: Odyssee im Weltraum" 90 Jahre alt. Heise hat dazu einen Artikel gebracht. Sein Beitrag zur Science Fiction und zum Zukunftsdenken des 20. Jahrhunderts ist kaum zu unterschätzen. Trotz seines hohen Alters hat Clarke den Anschluss an aktuelle Entwicklungen keineswegs verpasst, ganz im Gegenteil. Einerseits nutzt er moderne Medien wie Youtube, andererseits ist er auch einer der Unterstützer der Kampagne für ein Weltparlament, die im April dieses Jahres gestartet wurde und deren Sekretariat ich leite.
Der Gesetzentwurf zur Neuregelung der Telekommunikationsüberwachung sieht vor, Telekommunikationsunternehmen ab 2008 zu verpflichten, Daten über die Kommunikation ihrer Kunden auf Vorrat zu speichern. Für die Strafverfolgung soll nachvollziehbar werden, wer mit wem in den jeweils letzten sechs Monaten per Telefon, Handy oder E-Mail in Verbindung gestanden hat. Bei Handy-Telefonaten und SMS soll auch der jeweilige Standort des Benutzers festgehalten werden. Bis spätestens 2009 soll zudem die Nutzung des Internet nachvollziehbar werden. Eine derart weitreichende Registrierung des Verhaltens der Menschen in Deutschland ist inakzeptabel! Ich halte sie für verfassungswidrig und habe mich einer entsprechenden Verfassungsbeschwerde angeschlossen. Mehr Informationen hier.